2 Wochen Chromium - eine Zusammenfassung

Posted 04.09.2010 um 22:33 von badboy_ - 5 Kommentare

Seit nun gut 2 Wochen benutze ich Chromium als primären Browser (aktuell 5.0.irgendwas installiert, 7.0.irgendwas wird grad kompiliert). Zuvor hab ich jahrelang Firefox mit Vimperator und zahlreichen anderen Addons benutzt.

Deshalb an dieser Stelle mal eine kleine Zusammenfassung der Vor- und Nachteile von Chromium:

Geschwindigkeit

Atemberaubend. Vom Firefox sagt man ja oft, dass er inzwischen recht schwerfällig ist, lange braucht um überhaupt zu starten und auch im Rendering nicht allzu schnell ist. Chromium ist in dieser Hinsicht so ziemlich das Gegenteil. Er startet schnell, Webseiten werden rasch geladen und angezeigt und mit V8 sitzt unter der Haube einer der derzeit schnellsten Javascript-Engines.

Konfiguration

Jeder Firefox-Benutzer kennt sicherlich about:config. Alle Einstellungen kann man darüber ändern, neu anlegen oder was auch immer man damit tun will.

Chromium hat bislang nicht so eine Seite. Ein großer Nachteil. Es gibt einen allgemeinen Optionsdialog mit weiteren Unterdialogen. Die vorhandenen Optionen sind teilweise ziemlich versteckt und oft nicht sofort ersichtlich. Auch gibt es keine Tasten-Kombinationen, um den Optionsdialog, die Cookie-Übersicht oder Passwort-Übersicht zu öffnen, geschweige denn eine Möglichkeit solche zu definieren.

Was mich bislang sehr enttäuscht, ist die fehlende Möglichkeit Proxies zu benutzen. Zwar heißt es, man kann das ganze per Umgebungsvariable vorab steuern, aber das will bei mir nicht so recht (oder ich habs falsch gemacht). Unter Gnome und KDE sollen wohl direkt die Proxyeinstellungen des Systems benutzt werden und auch dann mit den DE-Tools änderbar sein. Wenn man aber schnell und flexibel direkt aus Chromium heraus einen Proxy einstellen könnte, wäre das wirklich super.

[update]: Mit Chromium 7 kann ich nun auch einen Proxy nutzen. Ein einfacher Aufruf a la

chromium-dev --proxy-server=socks5://hostname:port

führt dann zum gewünschten Ergebnis. Nicht wirklich dynamisch, aber immerhin nutzbar.

Erweiterungen

Wer Firefox wirklich oft nutzt, wird auch ziemlich schnell Gefallen an einigen Addons finden. Ging mir genau so. Allen vorweg nutzte ich als vim-Benutzer auch Vimperator, um vim-ähnliche Keybindings auch im Browser zu benutzen.

Dank weitreichenden Konfigurationsmöglichkeiten und selbst Javascript-Zugriff war das Surfen im Web ziemlich angenehm, nicht einmal die Maus musste ich benutzen. Zwei Tastendrücke beispielsweise waren nötig, um einen Proxy einzuschalten, zwei weitere führten mich zur Cookie-Übersicht der aktuellen Seite. Ziemlich komfortabel also.

Mit vimium habe ich einen halbwegs brauchbaren Ersatz dafür gefunden. Die üblichen Tasten für's Scrollen und Öffnen von Links funktionieren so wie auch im Vimperator, weitergehende Konfigurationen sind aber nicht möglich. Da ist die Chromium Extension Api einfach nicht ausgebaut genug. Schade eigentlich.

Als AdBlock Plus-Alternative benutze ich AdThwart. Das ganze funktioniert zwar wieder bedingt durch die Extension API nur über einfache CSS-Ausdrücke, aber immerhin lassen sich somit die meisten Werbebanner verstecken und AdBlock Plus Listen kann man ebenfalls abonnieren, man muss also nicht zwangsweise alle Filter selbst neu schreiben. Inzwischen bin ich aber auch dazu übergegangen einige Werbe-Webseiten einfach per /etc/hosts auf 127.0.0.1 umzubiegen, so wird die Werbung garnicht erst geladen.

Weiterer Pluspunkt für Chromium: Greasemonkey-Userscripte lassen sich dort wie andere Extensions ganz einfach installieren und funktionieren dann auch problemlos. Somit kann ich auch Scripte wie Download YouTube Videos as MP4 benutzen (Wer denkt sich eigentlich so behämmert lange Skriptnamen aus? 'nen kurzer knackiger Name wäre besser).

Und noch ein Pluspunkt: Chromium nutzt WebKit und bringt somit gleich auch die "Developer Tools" mit. Für Firefox muss man da Firebug nachinstallieren. In der Benutzung tun sich aber beide Tools nichts. Beide komfortabel zu nutzen, CSS kann "on-the-fly" angepasst werden und die mitgebrachte Konsole führt Javascript aus und lässt sich gut zum Debugging benutzen.

Weiteres

Chromium erziehlt 197+7 Punkte im html5test (Vergleich Firefox 3.6.8: 139+4). Neue HTML5-Elemente wie <audio> und <video> werden unterstützt. Leider habe ich dabei aber derzeit keinen Ton, hoffe aber, dass dieser Bug in meiner gerade kompilierten Version 7.0 schon behoben ist. [update]: Wie ich gerade lese und auch in der Debugausgabe in der Konsole sehe: Chromium unterstützt bislang nur die Alsa-Soundausgabe. OSSv4 und anderes wie PulseAudio werden vielleicht in Zukunft hinzugefügt, wenn sich denn jemand bereit erklärt, das zu implementieren. (Quelle)

Webapplikationen wie GMail oder aber auch streamie laufen dank V8 und WebSocket-Support und anderen neuen Javascript-APIs superflüßig. Die Rendering-Engine unterstützt natürlich zahlreiche -webkit-*-Erweiterungen, bislang gibt es GPU-Render-Support in WebKit aber nur unter Mac, demnächst dann wohl auch für Windows. Wollen wir mal hoffen, dass die Chromium-Entwickler das dann auch auf Linux portiert kriegen.

Jeder Tab des Browsers ist für sich ein eigener Prozess. In Zeiten, wo sonst Flash gerne mal den ganzen Browser abstürzen lässt, ist das ja durchaus sinnvoll.

Fazit

Chromium ist schnell, zuverlässig und erledigt das, was er soll: Webseiten anzeigen. Zwar fehlen hier und da noch ein paar Einstellungsmöglichkeiten oder eine ausgereiftere API, doch lässt sich damit durchaus produktiv durchs Netz surfen. Vorerst bleibe ich also mal bei Chromium.

5 Kommentare:

Posted 12.10.2010 um 11:45 von anarchopunk
Hast du ne Ahnung, wie es mit Sicherheitslücken bei Chromium aussieht, im Vergleich zu Firefox? Apropos, falls du es nicht kennst: http://www.srware.net/software_srware_iron.php ganz interessant. Gruß ;)
Posted 12.10.2010 um 17:32 von badboy_
Von gefährlichen Sicherheitslücken hab ich bislang noch nicht gehört. Und zu Iron: Nein, danke. Iron basiert auf Chromium, Chromium ist OpenSource und soviel mehr bietet Iron nun auch nicht. Außerdem hab ich letztens einen Artikel gelesen, der mal den Iron Code mit dem von Chromium verglichen hat. Bis auf die Änderungen des Namens im Code und das Deaktivieren einiger (optionaler) Einstellungen wurd da nicht viel gemacht.
Posted 13.10.2010 um 05:42 von anarchopunk
Okay, interessant. Mit anderen Worten hat SRWare dann also diesen Rummel um Chrome (und Google) ausgenutzt... Danke für die Antwort!
Posted 13.10.2010 um 22:56 von anarchopunk
Nachtrag: Kannst du mir diesen Artikel vielleicht zeigen? (Gibt's den online/In welcher Zeitschrift?) Danke nochmal, Gruß Luca.
Posted 14.10.2010 um 12:37 von badboy_
Hast Glück, war einfach wieder zu finden: http://chromium.hybridsource.org/the-iron-scam
  1. Was ist 6 plus 4?